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Cup-Geschichte: 1961 SC Langnau gegen HC Villars - ein Cuphalbfinal der krassen Gegensätze

17/12/2018 12:18:48Planète Hockey / KN   Quelle : SIHCArtikel 4 973 Mal gesehen
© Foto SIHC

Zum zweiten Mal in ihrer 72-jährigen Vereinsgeschichte haben die SCL Tigers die Chance in den Schweizer Cupfinal vorzustossen. Dazu müssen sie im Halbfinal vom 19. Dezember in Rapperswil den Titelverteidiger bezwingen.

Den ersten Halbfinal haben die Emmentaler vor 57 Jahren, am 6. Dezember 1961, zuhause gegen Villars mit 0:6 verloren. „Wir spielten eigentlich gar nicht so schlecht wie man aufgrund des eindeutigen Resultates annehmen könnte“, erinnert sich der heute 81-jährige SCL-Verteidiger Otto Wittwer. „Aber wir hatten nicht die geringste Chance. Die Waadtländer waren uns lauf- und stocktechnisch und spielerisch klar überlegen.“ Die Langnauer spielten in der Saison 1961/62 erstmals in der NLA. Villars dominierte in der NLB nach Belieben, stieg 1962 auf und wurde 1963 und 1964 auf Anhieb Schweizer Meister. „Die waren schon im Cuphalbfinal gegen uns als NLB-Klub NLA-stark“, erzählt Otto Wittwer.

Ein Kanadier mit 308 Franken Wochenlohn

Zum Teil krasse Gegensätze gab es im Schweizer Eishockey schon damals. Die Langnauer waren im wahrsten Sinne des Wortes noch eine echte Dorfmannschaft mit lauter Einheimischen und Pierre Brun, einem Verteidiger aus Grindelwald. Sie waren Amateure, arbeiteten als Zeughausangestellter wie Otto Wittwer, als Schriftsetzer, Elektriker, Konditor, Bauchzeichner und Schlachthausverwalter. Und sie führten ein sportliches Doppelleben, denn rund die Hälfte der Spieler kickte mit dem FC Langnau noch in der 2. Liga. „Auch wenn wir erst in der Nacht auf Sonntag aus Ambri oder Davos nach Hause kamen, spielten wir am Sonntagmorgen um 10.00 Uhr schon wieder Fussball“, berichtet Wittwer. Er war als Eishockeyaner ein Allrounder. Er spielte in der Abwehr und im Angriff und als sich Stammgoalie Emil „Miggu“ Zaugg beim Fussball (wo sonst?) das Bein brach, musste der „Öttu“ in die „Kiste“.

Die Langnauer wurden nach dem Aufstieg in die NLA erstmals von einem Kanadier trainiert, von Bob McNeil. Sein Lohn betrug 308 Franken pro Woche sowie Kost und Logis in einem guten Langnauer Hotel. Das Trinken musste er allerdings aus dem eigenen Sack bezahlen. Dazu erhielt er ein Schifffahrts- und Bahnbillet von seinem Heimatort Inglewood (Ontario/Ka) ins Emmental. Einkommenssteuer, Unfallversicherung und Stöcke wurden vom SCL übernommen, aber nicht die Schlittschuhe. Schriftlich festgehalten wurden auch diverse Rangprämien: 1000 Franken bei einem Titelgewinn, keinen Rappen bei einem Abstieg, 500 Franken für einen Platz in der unteren Tabellenhälfte (5. bis 8.) und 750 Franken für einen Platz in der oberen Tabellenhälfte (2. bis 4.).

1961/62 spielten die Langnauer noch auf ihrer offenen Kunsteisbahn, die Meisterschaft begann Mitte November und war am 10. Februar nach nur 14 Runden schon wieder beendet. Die Mannschaften setzten in der Regel neben dem Torhüter nur je zwei Verteidigerpaare und Sturmlinien ein. Einen Paradeblock gab es bereits damals. Bei den Langnauern bestand er aus Otto Wittwer, Hans Brechbühler, Gerhard und Walter Wittwer sowie Stefan Bärtschi. Sie erzielten allein 30 der 35 Tore auf dem Weg in den Cuphalbfinal gegen Villars mit Siegen gegen die Zweitligisten Yverdon (10:0), Le Locle (19:3) und den NLA-Klub Young Sprinters Neuenburg (6:3).

Das kurze Glück einer Retortenmannschaft

Praktisch gleichzeitig mit dem Aufstieg der Langnauer in die NLA setzte Villars zu einem im Schweizer Eishockey selten gesehenen Höhenflug an. Die Waadtländer stiegen in einem Zug und mit 63 Spielen ohne Niederlage von der 1. Liga (1960/61) über die NLB (1961/62) in die NLA auf und wurden 1963 und 1964 auch gleich Schweizer Meister. Sie waren eine sogenannte „Retortenmannschaft“ und zumindest Halbprofis, die mehrheitlich in irgendwelchen Funktionen bei der Kunsteisbahn angestellt waren und so genügend Zeit zum Training erhielten. Der Eishockeyboom des HC Villars wurde von Madame Janine Potin finanziert, die mit ihrer Familie jeweils in Villars die Ferien verbrachte. 1955 schenkte die Pariserin dem Ort eine neue Kunsteisbahn, 1960 begann der legendäre Trainer und Spielertrainer Gaston Pelletier mit dem Aufbau der späteren Meistermannschaft, die grösstenteils aus der ganzen NLA zusammengekauft wurde.

„Mittelstürmer Roger Chappot von Servette beispielsweise war ein überdurchschnittlich starker Läufer und Stocktechniker. Verteidiger Elwin Friedrich von ACBB Paris der grosse Spielmacher und Gérald Rigolet von Lugano ein Torhüter der Extraklasse“, nennt SCL-Ehrenmitglied Otto Wittwer die drei grossen Spielerpersönlichkeiten von Villars. Er ist noch heute stolz darauf, dass er mit diesen 1963 in Stockholm (WM) und ein Jahr danach in Innsbruck (Olympische Spiele) als erster Langnauer mit der Schweizer Nationalmannschaft an den beiden bedeutendsten internationalen Titelkämpfen teilnehmen durfte.

Das Glück von Villars war nur von kurzer Dauer. Als Madame Potin ihr Portemonnaie schloss, ging es mit den Waadtländern nach nur sechs NLA-Saisons wieder abwärts bis in die 1. Liga. Die Langnauer hingegen stehen aktuell bei 44 Meisterschaften in der höchsten Liga.

Telegramm des Cuphalbfinals von 1961

SC Langnau - Villars 0:6 (0:2, 0:1, 0:3)

Offene Kunsteisbahn Langnau. 2800 Zuschauer. SR Briggen (Bern)/Toffel (Lausanne). Tore: 2. Roger Chappot 0:1. 11. Maurice Chappot 0:2. 23. Roland Bernasconi 0:3. 46. Roger Chappot 0:4. 57. André Berra 0:5. 59. Roger Chappot 0:6. Strafen: SC Langnau 5mal 2 Minuten; Villars 11mal 2 Minuten.

SC Langnau: Zaugg; Brechbühler, Otto Wittwer; Lauenstein, Brun; Bärtschi, Walter Wittwer, Gerhard Wittwer; Hirschi, Gerber, Braun; Fankhauser.

Villars: Rigolet; Friedrich, Kohli; Jo Piller, Marcel Bernasconi; Roland Bernasconi, Roger Chappot, Wirz; Maurice Chappot, André Berra, René Berra.  

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